Presse

Erneuertes Team braut Liebestrunk

Die 62. Schlosskonzerte Spiez handeln von Affären, Wollust, Erotik, zarten Banden und heftigen Gefühlen. Oder kurz: Von der Liebe. Präsidentin Marianne Vogel Kopp und ihr erneuertes Team versprechen: «Es wird knistern.»

Die Schlosskonzerte 2008 wollen es mit der Liebe aber wissen. Wie kamen Sie darauf?

Marianne Vogel Kopp: Ursprünglich hätten diese Schlosskonzerte mein Abschiedsgeschenk nach elf Jahren als Präsidentin des Vereins sein sollen. Da machen wir etwas Süffiges, dachte ich. Ich stellte mir einen ganzen Regenbogen der Liebe vor, der nicht nur das Beglückende, sondern auch Tücken und Scheitern umfasst. Wie im wahren Leben...

Liebe in Variationen also. Wie wird das jetzt umgesetzt?

Da fielen zunächst musikalisch liierte Paare auf. Ich dachte etwa an das Ehepaar Clara und Robert Schumann, das in jeder Hinsicht eine spannungsvolle Beziehung lebte. Sie hat ihn weit überlebt. Die Sopranistin Daniela Eaton-Freiburghaus wird am 18. Mai unter dem Titel FrauenLiebe diese Verbindung ertönen lassen. Oder beim ersten Konzert. Da gehts um Alltagsliebe. Der Solothurner Autor Ernst Burren schaut Alltagspaaren aufs Maul. Das ruft nach einer instrumental-dialogischen Umsetzung, bei uns mit Saxophon und Schlagzeug. Dazu kommt mit Urs Mühlethaler ein Schauspieler aus Solothurn dazu, der Burrens Dialekt spricht. Die Beteiligen erarbeiten hier etwas ganz Eigenes für Spiez.

Es gibt ja mehrere Eigenproduktionen in diesem Jahr. Spürt auch das Budget Frühlingsgefühle?

Wir spüren tatsächlich auch finanziell ein Aufblühen. Im Jubiläumsjahr 2006 haben wir über die Stränge gehauen, worauf wir uns im letzten Jahr Disziplin auferlegten und gleich einen Einnahmenüberschuss von über 10000 Franken erzielten. Wir häufen nun aber nicht Reserven an, sondern bringen das Geld mit tollen Konzerten wieder unter die Leute.

Konzerttitel wie «Eine Affäre», «Geschwisterliebe» oder «Frauenliebe» verraten es: Tabus gibts keine. Wo wird es denn am meisten knistern?

In mehr als einem Programm wird es heiss zu und her gehen. Etwa in «Eine Affäre» tritt das seltsame Liebespaar Frédéric Chopin und George Sand auf. Der Komponist gilt als kränklicher Zärtling, der mit 39 Jahren starb. Die Autorin hingegen war älter, durchaus warmherzig, aber mit einem Anstrich von Femme fatale. Wie wonnevoll das Feuer ihrer Beziehung loderte, nährte schon damals die Gerüchteküche.

Wie widerspiegelt sich das musikalisch?

Indem konsequent von schönstem Schmerz durchzogene Klaviermusik von Chopin gespielt wird. Spannend ist das fürs Publikum, weil diese einmal durch eine Frau, Keiko Nakayama, und einmal durch einen Mann, Stefano Rover, interpretiert wird. Ausserdem liest Susanne Reuter Originaltexte der scharfzüngigen Literatin George Sand.

Und ein weiterer Knisterabend?

Am 23. Mai schwenken wir über ins frivole Spätmittelalter. Christian Hostettler auf der Laute und Franziskus Abgottspon als Sprecher gestalten mit «Wollust und Wohlklang» einen überaus sinnlichen Abend. Die sexuelle Lust war ja schon vor der modernen Bilderflut ein Thema, doch weit poetischer. Dieser Abend ist gewiss nichts für verklemmte Gemüter... (lacht).

Erstmals gibts Jazz am Abend statt als Matinée. Wird man bei einbrechender Dunkelheit mehr angeturnt?

Die Fantasie des Journalisten macht wilde Sprünge! Hier aber gefehlt: Die zeitliche Verlegung erfolgt aus rein pragmatischen Gründen, wir fanden schlicht keinen Morgentermin. Aber Jazzklänge dringen direkt in den Bauchbereich. Warten wir mal ab, wie sie abends einfahren...

Solch ein Liebes-Programm verlangt eigentlich nach Künstlerinnen oder Künstlern, die auch in irgendeiner Form von der Liebe gepackt sind. Sie haben sicher ein Beispiel.

Vor kurzem rief mich die Cellistin Anita Rutz an und fragte mich, ob das Programmheft schon gedruckt sei. Es war. So konnten wir ihren Wunsch nicht erfüllen. Sie teilte mir nämlich in Wort und Bild mit, dass sie nach einem Jahr Liebesglück nun ihren Verlobten geheiratet habe und deshalb gerne mit dem Namen Anita Federli-Rutz aufgeführt werden möchte. Sie muss am Konzert vom 31. Mai, «LiebesFreud und LiebesLeid», beim zweiten Thema ihre schwärmerischen Gefühle wohl etwas zurück-nehmen...

Zur Liebe gehört ja auch die Treue. Diese halten Sie mit stets Wiederkehrendem wie dem KinderKonzert am 7. Mai und der Verpflichtung von einheimischen Interpretinnen und Interpreten ein.

Ja, Treue ist wesentlich. Auch als Theologin bin ich übrigens eine Befürworterin von Langzeitbeziehungen. Die KinderKonzerte haben immer regen Zulauf. Da reagieren wir auf die grosse Nachfrage. Einheimische Künstlerinnen und Künstler wie Daniela Eaton-Freiburghaus aus Spiez und Res Liebi aus Aeschi, der am KinderKonzert als Erzähler und Pantomime mitwirkt, liegen mir sehr am Herzen.

Und wie stark schlägt Ihr Herz noch für die Schlosskonzerte? Sie haben zu Beginn den Abschied angetönt...

Meine Beziehung zu dieser Aufgabe hat sich gewandelt. Aus anfänglicher Euphorie ist eine tiefe und innige Liebe geworden. Die Konzerte in der Schlosskirche sind quasi die Höhenflüge dieser Liebe.

Jetzt ist aber das Ende der Liebe absehbar...

Aber nur als Präsidentin. Ja, die Ablösung wird nach der Saison 2009 vollzogen. Doch wenn ich mich aus dem Operativen zurückziehe, werde ich den Schlosskonzerten als Besucherin treu bleiben.

Wer wird Ihre Nachfolge antreten?

Nach dem liebesspektakulären Mai werden wir die Katze aus dem Sack lassen...

Dann sagen Sie mir wenigstens, warum seit über 23 Jahren mit Christoph Gächter wieder ein Mann im Leitungsteam mitwirkt. Hat das auch etwas mit Liebe zu tun?

Wir haben die vielen Jahre als Frauenteam keine Berührungsängste mit Männern gehabt! (grinst) Bei uns haben Männer immer im Hintergrund mitgewirkt. Wir haben uns überlegt, ob wir Männer konkret anfragen wollen, da ihre Verfügbarkeit im Freizeitbereich oft eingeschränkt ist. Bei Christoph Gächter war die Situation günstig. Er hörte als Kirchgemeinderat und Finanzchef der Katholischen Kirche auf. Da haben wir den Computerfachmann gefragt, ob er nicht unser Programmheft betreuen will. Und er hat zugesagt!

Svend Peternell

Marianne Vogel Kopp (48), Hondrich, wirkt neben ihrer Funktion als Präsidentin des Vereins Schlosskonzerte Spiez auch als Theologin und als Kolumnistin dieser Zeitung. Sie ist langzeitlich-liebes-liiert (lies: verheiratet) und Mutter des 12-jährigen Basil.

Text: Berner Oberländer

zurück