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Selbst eine Schwalbe lauschte

Brillant, vergnügt und wohltuend war der Auftakt der 72. Schlosskonzerte Spiez. Ana Oltean Zehnder und Vital Julian Frey überraschten mit virtuosen Zeitsprüngen über drei Jahrhunderte. Eine verirrte Schwalbe sorgte für Schmunzeln.

Ana Oltean Zehnder und Vital Julian Frey

Der Auftakt der 72. Runde der Schlosskonzerte Spiez fand gleich im Doppelpack statt: Einerseits kamen am Vormittag am traditionellen Kinderkonzert die Jüngsten mit «Teddy Waschbar» nach einer Geschichte von Michael Ende voll auf ihre Kosten. Andererseits vergnügten sich die Zuhörenden in der voll besetzten Schlosskirche am offiziellen Eröffnungskonzert, welches zum dritten Mal in Folge von der Stiftung Schloss Spiez und den Schlosskonzerten Spiez gemeinsam durchgeführt wurde.

Den Organisatoren glückte eine gute Wahl als Ersatz des ursprünglich vorgesehenen Orgeltages, der nun wegen der verzögerten Orgelrevision 2019 stattfinden wird.

Brillante Zeitsprünge

Der bei den Spiezer Schlosskonzerten beliebte und bekannte Cembalist aus Steffisburg Vital Frey, und die aus Rumänien stammende Ana Oltean Zehnder, Querflöte, überraschten mit wohltuenden, brillanten Zeitsprüngen zwischen dem 18. und dem 20. Jahrhundert. Vergnügt musizierte das Duo und übertrug unterschiedliche Schwingungen.

Den Auftakt bildete Wilhelm Friedemann Bachs Sonate Nummer 1 in e-Moll. Ideal verwoben sich die weichen, feinen Klänge der hölzernen Querflöte und das Cembalo. Erfrischend und prägnant wirkte das Zusammenspiel der beiden.

Zum Schmunzeln brachte eine Schwalbe, die sich in die Schlosskirche verirrte, über das Publikum flog und mit ihren Lauten zur Flöte passend wacker mitmischte. Erstaunlich, wie der Vogel der Sonate für Flöte lauschte und still sitzend den entzückenden Melodien folgte. Die funkelnde Solosonate von Günther Raphael von 1946 liess aufhorchen. Raphael, ein Halbjude, hatte mit sehr viel Glück die Nazizeit überlebt und trotz widrigster Umstände ein grosses Werk erschaffen, ein «grossartiges klingendes Universum », wie sich die Flötistin bewundernd äusserte. Ohne Fehl und Tadel folgten fliessende Übergänge, weite Tonsprünge von tief bis überblasen und virtuose Passagen.

Dezent und trotzdem klangvoll entzückte das barocke mehrsätzige Meisterwerk von Georg Friedrich Händel. Da die Kälte den Instrumenten zusetzte, Saiten höher und das Blasinstrument tiefer wurde, erforderte es eine Speedstimmung des Cembalos. Mit «Due esercizi» des berühmten Komponisten José Luis Turina stellte Vital Frey sein Instrument ins Zentrum. Halbtöne waren das Thema des langsamen Satzes Präludium. Relativ hässig, wild-virtuos wirkte die Sonata. Mit Überkreuzen der Hände und schnellen Fingern, welche die kompakten Tonfolgen zum Sprudeln brachten, schöpfte der Tastenkünstler den Klangzauber aus.

Zum Ausklang liessen sich Zuhörende und die Schwalbe von der charaktervollen Sonate «L’Henriette» in G-Dur von Michel Blavet voll in den Bann ziehen.

Text: Berner Oberländer vom 8.5.2018, Heidy Mumenthaler

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