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Klänge wie in alten Zeiten

Sie ist wieder da: Frisch restauriert wird die Orgel der Schlosskirche Spiez anlässlich der 73. Schlosskonzerte festlich eingeweiht.

Was lange währt, wird endlich gut. Dieses altbewährte Bonmot hat sich schon manches Mal bewahrheitet und trifft nun auch auf die zwei Jahre dauernden Restaurationsarbeiten an der bejahrten Bossart-Orgel in der Spiezer Schlosskirche zu, die in wenigen Tagen in neuem Glanz erstrahlen soll.

Als Marc Fitze, gefragter Organist und Intendant der Spiezer Orgelkonzerte, über die Details der Restauration zu erzählen beginnt, zieht er die Zuhörenden nicht nur mit seinem grossen Fachwissen in seinen Bann. Da ist noch etwas anderes, etwas Dringliches, das sich durchaus als Passion titulieren lässt.

Revision mit Klangverlust

Die Orgel also, erbaut 1831 von Franz Josef Remigius Bossart aus Baar, hat bewegte Zeiten hinter sich. Nachdem sie im Rahmen grösserer Restaurierungsarbeiten an Schloss und Kirche abgebaut und über zehn Jahre in Einzelteilen gelagert worden war, wurde sie in den Jahren 1949 und 1950 von einer Männedorfer Firma wiederaufgebaut und «restauriert».

Weshalb die Anführungszeichen? Lassen wir als Antwort darauf den Verfasser des Zustandsberichts, Orgelexperte Theo Ettlin, zu Wort kommen, der da schrieb: «Klanglich macht die Orgel einen matten Eindruck. Möglicherweise wurde anlässlich der Revision bzw. Instandsetzung der Orgel (von einer Restauration kann nicht gesprochen werden) auch die Intonation nach damaligem Gusto verändert.» Marc Fitze bestätigt: «Das Instrument hat durch die damalige Revision viel von seinem ursprünglichen Klang verloren. Man wollte eine Orgel haben, die mehr kann.

Bossart-Orgel

Hartnäckige Recherchen

Die jetzige Restauration hingegen darf sehr wohl als solche bezeichnet werden. Laut Fitze wurde das Instrument quasi rückgebaut, im Bestreben, den Originalzustand wiederherzustellen. Dazu gehört auch die Verwendung möglichst aller Originalteile oder, falls notwendig, die originalgetreue Wiederherstellung derselbigen in althergebrachter Manier. Anton Meier von der Firma Orgelbau Hauser, der mit dieser fragilen Aufgabe betraut worden war, hat hartnäckig Archivrecherchen betrieben und konnte sogar Originaldokumente von Meister Bossart ausfindig machen.

Und nun soll das historische Instrument, welches übrigens das einzige seiner Art und Zeit im Kanton Bern ist, wieder wie in alten Zeiten erklingen, mit sanftem, authentischem Klappern und der altehrwürdigen Stimmung von circa 420 Hertz.

Tasten im Vordergrund

Noch einer freut sich darüber: Ruedi Bernet, Präsident des Vereins Schlosskonzerte Spiez, hat es sich nicht nehmen lassen, zwischendurch einen Blick hinter die Orgelpfeifen zu werfen. Hell begeistert erzählt er von der äusserst präzisen Handarbeit der hölzernen Züge und von der grossen, liebevollen Sorgfalt des Restaurators.

Gleich einen ganzen Tag haben die Organisatoren denn auch ihrer «Königin» gewidmet. Anschliessend übernimmt der Flügel. «Für einmal stehen in unserem Programm die Tasten im Vordergrund», verrät Bernet, der seit 2009 den Spiezer Schlosskonzerten vorsteht und einen bedeutenden Beitrag dazu leistet, dass das kleine, aber sehr feine «Festival für jedermann» auch nach bald 75 Jahren erfolgreich und zu Recht seinen Platz in der Berner Oberländer Kulturszene innehat.

Text: Berner Oberländer vom 1.5.2019, Ursina Humm

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