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Musikalische Reise durch Amerika

Der Pianist Sebastian Knauer stellte in der Schlosskirche die Musik der Neuen Welt vor, mit Werken amerikanischer Komponisten aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Sebastian Knauer

Nicht mit Musik, sondern mit Worten eröffnete am Mittwoch in der Schlosskirche Spiez Sebastian Knauer seinen mit humorvollen Anekdoten gespickten Rundgang durch den American Way of Sound. Dabei stellte er Kompositionen von Aaron Copland, Samuel Barber, Leonard Bernstein, Erik Satie und George Gershwin vor.

Aaron Copland gilt als Pionier der amerikanischen «seriösen Musik». Seine vier Piano-Blues, die Sebastian Knauer zu Beginn seines Rezitals interpretierte, sind unverkennbar amerikanisch und kündigen schon den späteren Bluesstil an. Copland war über Jahrzehnte mit Leonard Bernstein eng befreundet; Letzterer setzte sich in bemerkenswerter Weise für die Verbreitung seiner Musik ein.

Berühmte Filmmusik

Von Samuel Barber kennt man vor allem das «Adagio for Strings», das mehrfach als Filmmusik verwendet worden ist – zum ersten Mal in Chaplins «Der grosse Diktator» und vor allem auch als Titelmusik im Antikriegsfilm «Platoon». Sebastian Knauer spielte jedoch nicht dieses Adagio, sondern Barbers relativ unbekannte Interludes, umrahmt von populären Melodien von Leonard Bernstein, der zeit seines Lebens eine einzigartige Quelle kreativer Kraft in der amerikanischen Musik war.

Eine Auswahl aus Bernsteins Geburtstagsständchen, den sogenannten Anniversaries, sowie die bekannten Lieder «Maria» und «Somewhere» aus «West Side Story» erhielten dank der unglaublich raffinierten und sensiblen Interpretation des Pianisten und des durch die Kirchenakustik leicht verfremdeten Pianoklangs eine sehr grosse Intensität mit Gänsehauteffekt.

Intensiv, ja fast hypnotisch wirkten unter den Fingern des Pianisten auch zwei Gnossiennes und zwei Gymnopédies des Franzosen Erik Satie, dessen schnörkellose Musik als Vorreiter der amerikanischen Minimal Music gilt, eines Sammelbegriffs für Stile innerhalb der Neuen Musik, die sich ab den 1960er-Jahren in den USA entwickelten.

Brillante Virtuosität

Den Abschluss des Rundgangs durch die Musik der Neuen Welt machten Werke von George Gershwin, dem wohl beliebtesten amerikanischen Komponisten. Ein Medley aus dessen Songbook und Sebastian Knauers Interpretation der ursprünglichen Fassung der «Rhapsody in Blue» für Piano solo waren ein Feuerwerk brillanter Virtuosität gepaart mit höchster Musikalität – grandios. Für den anhaltenden Applaus bedankte sich der Pianist mit Gershwins «Summertime» und dem Wunsch, dieses Stück möge der Vorbote eines angenehmen Sommers sein.

Online-Artikel / Bild: Berner Oberländer vom 31.5.2019, Orith Tempelman / Markus Hubacher

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