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Happy End per Telefon

Mit Geschichten rund um die Irrungen und Wirrungen der Liebe fanden die beliebten Schlosskonzerte in Spiez ihren Abschluss.

Marysol Schalit und Richard Helm

Wenn es ein Veranstalter schafft, sein Konzertlokal am ersten sonnigen Tag nach langer Regenzeit zu füllen, dann will das viel heissen. So geschehen in der Schlosskirche Spiez, wo sich am Auffahrtstag zahlreiche Besucher zum letzten Konzert der Saison einfanden.

«In love and trouble samt Telefon und andere Geschichten» kündigte das Programmheft an. Vorfreude und Neugier standen in den vielen Gesichtern, die bis zum Ende des Abends in herzhaftem Lachen aufleuchten sollten.

Spielwitz und Charme

Welch ein Geniestreich, vierzehn Lieder aus dem italienischen Liederbuch von Hugo Wolf so zusammenzufügen, dass sich daraus eine Geschichte formen lässt!

Nicht nur die vor Spielwitz, Charme und mitreissend variabler Gesangskunst strotzende Sopranistin Marysol Shalit und ihr bodenständiger (wenn nicht gerade in amourösem Verlangen sich windender) Partner Richard Helm mit samtenem Bariton liessen sich stimmgewaltig und inspiriert ins tückische Netz liebe- und leidvoller Sehnsüchte fallen, sogar die einfühlsame, brillant musizierende Pianistin Tatiana Korsunskaya wurde ins Geschehen einbezogen.

Nach kurzer Atempause spannen die drei ihre Geschichten gleich weiter, jetzt mit sechs Liedern von Kurt Weill.

Menottis zum Abschluss inszenierte Kurzoper «Das Telefon oder Die Liebe zu dritt» schliesslich erwies sich als schlichtweg zum Schreien komisch. Die simple und doch tiefgründige Handlung: Ben muss verreisen, will Lucy davor aber einen Heiratsantrag machen und wird davon mehrfach vom schellenden Telefon abgehalten.

Lucy hingegen verpasst durch zweifelhaftes Setzen von Prioritäten beinahe das Wesentliche.

Mit hinreissender Mimik, betörender Stimme und waghalsig kabelumwickelter Chortreppenakrobatik stöckelte Marysol Shalit durch sämtliche emotionalen Wirrungen, während Richard Helm seinem sonoren Bariton angesichts des wählscheibenbewehrten Rivalen die dramatischsten Färbungen verlieh.

Doch genau dieser erwies sich für den im Trubel Abgereisten letztlich als Segen, denn der Heiratsantrag und somit das Happy End erfolgte notgedrungen per Telefon.

Geschrieben im Jahr 1947, stellt dieses Werk einen verblüffend realen Spiegel unserer heutigen Zeit und ihrer Gesellschaft dar. Und – wenn wir ehrlich sind – nicht einmal sehr übertrieben...

Präsident Bernet hatte «dr Plousch»

Die diesjährige Bilanz der bald 75-jährigen Schlosskonzerte Spiez lässt sich beinahe in einem Satz zusammenfassen: Die Finanzen gehen auf, die Auslastung der Kirche liegt bei knapp hundert Prozent, und somit lief die Saison geradezu überdurchschnittlich gut.

Kein Wunder, sah man die Mitglieder des Teams beim Apéro nach dem letzten Konzert mit einem seligen Lächeln im Gesicht an den Tischen vorbeidefilieren.

Allen voran Präsident Ruedi Bernet, der laut eigener Aussage «dr Plousch» hatte und sich über eine weitere Serie spezieller Kon­zerte freut, die viel Publikum anzulocken vermochten.

Dies beweise wieder einmal, dass der Instinkt bei der Programmwahl nicht getrogen habe. Besonders erfreulich, so Bernet, sei unter anderem, dass eine Kapazität wie Sebastian Knauer (Klavier) für die Konzertreihe gewonnen werden konnte.

Und dass die meisten Künstler schon allein des einzigartigen Ambientes wegen immer gerne wiederkommen.

Online-Artikel / Bild: Berner Oberländer vom 31.5.2019, Ursina Humm / Markus Hubacher

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