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Der umwerfende Jeannot und die Ente

«Peter und der Wolf» einmal anders: Mit Bläsern statt Streichern, mit Jeannot Hunziker, der die Tiere kongenial verkörperte. Und quasi den Ententest umschrieb.

Der umwerfende Jeannot und die Ente

Sieben der traditionellen Spiezer Schlosskonzerte sind dieses Jahr in den Herbst verschoben worden, und doch kann mitnichten von einem Traditionsbruch gesprochen werden. Im Gegenteil: Die langjährige Tradition der Konzerte für Gross und Klein, Jung und Alt wird im mehr oder weniger gewohnten Rahmen durchgeführt, allerdings mit Maskenpflicht und gebotenem Abstand im Publikum.

Mr. Bean und Modern Dance

Im auch bei Erwachsenen beliebten traditionellen Kinderkonzert wurde dieses Jahr Sergei Prokofjews spannende Geschichte «Peter und der Wolf» erzählt. Allerdings ist «erzählen» nicht ganz korrekt: Was der Schauspieler, Regisseur und Theaterpädagoge Jeannot Hunziker darbot, war eine Mischung aus Pantomime à la Mr. Bean, Modern Dance, Verrenkungen und Grimassen vom Allerfeinsten. Das musikalische Märchen gehört seit 2001 zu seinem Repertoire, und er verkörpert die verschiedenen Charaktere wie kaum ein Zweiter.

Betrat Peter die Bühne, wirkte Hunziker wie ein junger Bursche, um sich Sekunden später in eine schleichende Katze zu verwandeln, wie ein Vogel seine Flügel zu schütteln oder wie ein Wolf bei den kleinen und grösseren Zuhörern gespannte Aufmerksamkeit hervorzurufen. Man könnte den Terminus «Ententest» auch folgendermassen anwenden: Wenn es aussieht wie eine Ente, schwimmt wie eine Ente und quakt wie eine Ente, dann ist es wahrscheinlich Jeannot Hunziker. Und eben nicht wie im bekannten «duck test» eine Ente. Schade nur, dass er in Anbetracht der schwierigen Tonverhältnisse über kein Knopflochmikrofon verfügte und die Geschichte nicht auf Mundart erzählte.

Die Bläsersolisten Aargau mit Regula Bernath, Querflöte, Julia Benz, Horn, Renato Bizzotto, Oboe, Urs Gloor, Klarinette und Patrik Lüscher, Fagott, stellten zuerst ihre Instrumente vor und gaben den Kindern auch Basteltipps, beispielsweise für die Herstellung von Flaschenflöten. Die Kinder konnten auch erraten, welche Instrumente zu welcher Figur passten. Die Flöte dem Vogel zuzuordnen, fiel allen leicht, aber die Klarinette der Katze und die Trommel der Ente, das war des Guten etwas zu viel.

Musikalisch überzeugend

Doch beim Beginn der Geschichte übernahmen die Bläser spielend leicht sogar den Part verschiedener Streichinstrumente. Der Hauptfigur Peter war hier nicht das Streichorchester zugeordnet, sondern das gesamte Bläserquintett. Aber wie gewohnt zwitscherte die Querflöte wie ein Vogel, quakte die Oboe wie eine Ente, schnurrte die Klarinette wie eine Katze, brummte das Fagott wie der Ätti und verriet das Horn zusammen mit der Klarinette und dem Fagott, dass der Wolf im Anmarsch war – alles wie im Original und musikalisch wie technisch höchst überzeugend.

Online-Artikel / Foto: Berner Oberländer vom 19.10.2020, Orith Tempelman

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