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Mehr Trubel als Jubel, aber kein Katzenjammer

Dieses Jahr sind die Spiezer Schlosskonzerte zum 75. Mal durchgeführt worden, aber statt eines Jubiläums gab es ein «Trubiläum» mit viel Trubel und eher wenig Jubel.

«Dieses Jahr haben wir das 75. Programm vorgestellt, und nächstes Jahr wären es 75 Jahre seit der Gründung der Spiezer Schlosskonzerte gewesen, also beide Jahre so etwas wie ein Jubiläum», sagt Ruedi Bernet, Präsident der Vereins Spiezer Schlosskonzerte.

Kinderkonzert 2020

Da dieses Jahr im Gründungsmonat Mai der geplante Rückblick auf vergangene Aktivitäten nicht stattfinden konnte, wollten die Verantwortlichen nächstes Jahr mit verschiedenen Organisationen zusammenspannen und «e chly jubiliere», sagt Bernet. Wegen der unsicheren Lage sei der Vorstand jetzt aber der Meinung, es sei nicht besonders sinnvoll, Grösseres zu planen.

Die kleine Schlosskirche, in der hätte gefeiert werden sollen, bietet im besten Falle 155 Plätze, aber dieses Jahr musste diese Anzahl wegen des «Social Distancing» auf 75 Plätze reduziert werden; «sollte dies auch 2021 so bleiben, werden wir das Jubiläum nur ganz am Rande erwähnen», meint ein resignierter Ruedi Bernet.

Es war fast fünf vor zwölf

Am Vorabend des fünften Konzerts, das am letzten Samstag hätte stattfinden sollen, erfuhr Bernet durch die Medienkonferenz der kantonalbernischen Regierung, dass alle öffentlichen Anlässe mit mehr als 15 Teilnehmenden abgesagt werden müssten. Seine erste Reaktion: «I ha gfluechet, Bärndütsch gseit.»

Danach habe er die neuen Verordnungen durchgelesen und sofort gesehen, dass es kein Schlupfloch gebe. Der Vorstand habe zwar mehrheitlich geahnt, dass das für kommenden Freitag, 30. Oktober, vorgesehene siebte und letzte Konzert wahrscheinlich nicht stattfinden werde, aber dass die beschlossenen Massnahmen bereits innert weniger Stunden in Kraft treten würden und dies das Aus auch für beide Wochenendkonzerte bedeute, sei völlig unerwartet gewesen.

«Zum Glück bin ich danach zu einer effizienten Hochform aufgelaufen», meint Bernet. Innerhalb einer Dreiviertelstunde habe er telefonisch mit allen Teilnehmenden drei Konzerte abgesagt und die Website mit einem entsprechenden Hinweis aktualisiert.

«Sehr schnell kamen auch die ersten Telefonanrufe von besorgten Leuten, die wissen wollten, wie und ob sie die einbezahlten 30 Franken zurückerhalten würden», sagt Bernet und lacht wegen dieser für ihn doch recht erstaunlichen Erstreaktion.

Um 90 Prozent belegt

In den letzten Jahren lag laut Ruedi Bernet die Belegung der Schlosskonzerte immer um 90 Prozent, und dies sei auch dieses Jahr der Fall. Man habe zwar gesehen, dass das ältere Publikum etwas zurückhaltender gewesen sei, was allerdings wegen der reduzierten Platzzahl keine grosse Rolle gespielt habe, und man sei deswegen recht zufrieden.

Die Frage zu den finanziellen Konsequenzen kann und will Bernet nicht abschliessend beantworten. Der Kanton habe verlauten lassen, dass Mindereinnahmen gegenüber einer normalen Saison geltend gemacht werden könnten, aber der zu erwartende kleine Betrag rechtfertige vermutlich den zu leistenden Aufwand nicht.

Eine Defizitgarantie hatten die Spiezer Schlosskonzerte nie, aber Ruedi Bernet ist zuversichtlich, dass die für dieses Jahr zugesagten Beiträge von Gemeinde und Sponsoren nicht reduziert würden. «Ich gehe davon aus, dass wir diese Krise gut überstehen werden», meint der Präsident des Vereins Spiezer Schlosskonzerte.

2021er-Konzertreihe bereits in Planung

Die für Mai dieses Jahres vorgesehenen Konzerte konnten mit recht grossem Aufwand in den Herbst verschoben werden. Auf eine Teilnahme verzichten mussten aber die Basler Madrigalisten, die im Oktober keine Möglichkeit sahen, nach Spiez zu kommen.

«Mit ihnen konnten wir bereits ein Datum im kommenden Mai festlegen ? ein erster Anlass im Rahmen der Konzertreihe 2021», sagt Ruedi Bernet. Weitere Daten mit vorkontaktierten Künstlerinnen und Künstlern seien noch offen, und vielleicht werde man von Anfang an doppelt planen müssen – für Frühling und Herbst. Fest stehe, dass alles im Moment noch «Kafisatzläse» sei, meint Bernet abschliessend.

Online-Artikel / Foto: Berner Oberländer vom 26.10.2020, Orith Tempelman

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