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4. Schlosskonzert mit einheimischer Sopranistin

Faustschlag mitten ins Gefühlszentrum

Drei Künstlerinnen und ein Künstler liessen das vierte Spiezer Schlosskonzert am Samstagabend zu einer Sternstunde werden.

Wenn die Sopranistin Daniela Eaton-Freiburghaus in Spiez vor heimischem Publikum auftritt, füllt sich die romanische Schlosskirche Spiez bis auf den letzten Platz. Mit ganz ausdrucksstarker und wandlungsfähiger Stimme hat die Sopranistin ihr Publikum schon nach wenigen Klängen für sich eingenommen. Und sie beginnt lieblich, Daniela Eaton-Freiburghaus: Der britische Komponist Robert Quilter (1877 bis 1953) ist hierzulande weitgehend unbekannt. Seine drei "Pastoral Songs", op. 22, erinnern an die Musicalmelodien der frühen 40er und 50er Jahre, greifen aber klassische Gedichttexte als Grundlage auf. Berührend auch die "Shakespeare Songs"" besonders, wenn Eaton-Freiburghaus mit fast brüchiger Stimme das Lied der Ophelia interpretiert, in dem sie dem Tod ihr Liebesleid klagt.

Lieblicher, wenngleich melancholischer Einstieg, aufrüttelnde Werke danach: Mit Aaron Coplands Trio "Witerbsk" von 1928 leiteten Deborah Furrer (Violine), Anja Friedeberg (Cello) und Hans Adolfsen (Piano) mit kraftvoller Dramatik über zum eigentlichen Werk des Abends: Dmitri Schostakowitschs "Romanzen für Sopran und Klaviertrio, op. 127".

Krieg statt Frieden

Liess Copland in seinem "Witerbsk"" benannt nach einer osteuropäischen Stadt" immer wieder traditionelle Folklore-Melodien einfliessen, die er verdichtete und zu wütender Dramatik weiter steigerte, herrschte bei Schostakowitsch Verzweiflung, Resignation und die mörderische Zerstörung nach dem Krieg. Unaffektiert, eindringlich, mal ganz leise, mal ganz laut brachte Daniela Eaton-Freiburghaus dem Spiezer Publikum einen Schostakowitsch nahe, der noch wenig entdeckt ist.

Blind verstanden

Dass das vierköpfige Ensemble zum ersten Mal überhaupt in dieser Besetzung auftrat, erstaunte völlig. Denn die vier Künstlerinnen und Künstler verstanden sich blind und harmonierten in einer Weise, die die Musik wie einen Faustschlag mitten ins Gefühlszentrum dringen liess. Noch viel stärker von Hoffnungslosigkeit geprägt erwies sich Schostakowitschs Interpretation von "Ophelias Lied". Von Krieg, Tyrannei und Todesangst erzählt "Gramajun, der Prophetenvogel". Und die Stimme der Sopranistin erhob sich einsam im Gemetzel, das sich im Klavierspiel von Hans Adolfsen widerspiegelte. Beklemmung zog sie ein in die friedliche Spiezer Schlosskirche, die einst auch einem Kriegsherrn gehörte.

Ein bewusster Bruch

"Die Akustik in diesem Raum ist grossartig! Selbst leise Klänge sind deutlich hörbar", sagte Daniela Eaton-Freiburghaus. Den Bruch zwischen Quilters bittersüssen Songs und Schostakowitschs tieftraurigen Romanzen nahm die Spiezer Sopranistin bewusst in Kauf: "Für mich war Schostakowitsch zentral; zu diesem schweren Werk gehörte auch etwas leichteres. Quilter ist nahezu unbekannt."

Text: Berner Oberländer Heinerika Eggermann

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