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Gefühle heiter präsentiert

Originelles am Spiezer Schlosskonzert: Mit Violine, Örgeli und Komik wurde eine innovative Mischung präsentiert.

Der Mime Gerhard Tschan spürte an der HEIMATinée zusammen mit der Berner Geigerin Johanna Richard und dem Örgelioriginal Werner Aeschbacher dem Klang nach, der Heimweh macht. Stimme und Geige ertönten zu Beginn schräg aus der Krypta. Mit viel Gefühl setzte im erhöhten Chor der Spiezer Schlosskirche das Schwyzerörgeli ein. Aeschbacher wechselte dann später vom Schwyzerörgeli zum Wiener-Örgeli von 1926 und zum "Langnauerli" von 1894. Souverän liess Johanna Richard ihre Violine erklingen" ihre Soli strahlten Leichtigkeit und Kraft aus.

Extra fürs Jubiläum

Dieser Mix, extra für die 60. Schlosskonzerte zusammengestellt, sorgte für ein witziges Wechselbad von Klanggenüssen. Der Steffisburger Tschan erzählte mit Körper und Lauten die Evolutionsgeschichte der Stimme. Zunächst stieg er als stummer Fisch aus dem Wasser. Erste Töne entwickelten sich vom Frosch über den Affen bis zum Menschen" aus war es mit der Stille.

Wie Heimat tönt und warum Heimat überall auf der Welt anders und doch meist traurig klingt, zeigten russisch oder spanisch angehauchte Verulkungen. Auch der personifizierte Blues schien sichtbar zu leiden. Frech waren die Wechsel zwischen beschwingtem Swing und ernsthaftem Biber, Prokofjew oder Telemann. Eine skurrile Weltreise des Bandoneons hin zu Astor Piazzola vermittelte, wie viele falsche Töne es braucht, damit Neues entstehen kann. Gerhard Tschan bot sein bekanntes Personal auf: den von Motorenklängen faszinierten René, den diabolisch falsche Töne kultivierenden Lüzu und den kosmischen Jürg. Offen bleibt, ob das Publikum inmitten dieses Klanggefüges den verheissenen Heimatton gefunden hat ...

Text: Berner Oberländer vom 10.Mai 2006

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