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Schlosskonzerte Spiez mit einem Mozart-Tag

Von verspielt bis intellektuell

Die Schlosskonzerte Spiez beschäftigten sich auch mit Mozart: Verspielt für die Kinder, intellektuell für die Erwachsenen.

Der 250. Geburtstag von Wolfgang Amadeus Mozart ging auch an den 60. Schlosskonzerten Spiez nicht spurlos vorüber. Am Freitag luden sie in der Schloss-kirche erst zum verspielten Fest in Kostümen und Perücken für die Kleinen, dann zum abendlichen intellektuellen Happening mit Kostproben aus der Moderne. Kommentator Rudolf Kelterborn (Bild) stellte Auszüge seiner eigenen Kompositionen der Sonate in C-Dur KV 330 von Mozart gegenüber. Er zeigte auf, was Mozart aus dem Tonraum macht und warum der Tonraum für die moderne Musik so wichtig ist.

Mozart im Kostüm

See Siang Wong, der holländische Pianist mit chinesischer Abstammung und Wohnsitz in Zürich, fungierte als eine Art Bindeglied der beiden Anlässe. Im KinderKonzert trat er als junger Mozart auf und zauberte quirlig einige kleine Meisterwerke, die das Salzburger Wunderkind zwischen sechs und zehn Jahren zu Papier gebracht hatte, in den sakralen Raum. Heidi Sabino "begleitete"ihn erzählend auf seiner steilen Entwicklungsfahrt als schon bald in den deutschen Städten und an den europäischen Höfen gefeierter und gepushter Star. Sabino tat dies mit Spürsinn fürs Timing und traf eine gute Auswahl an Anekdoten und Episoden aus Mozarts jüngsten Jahren. So kam auch die ganze Aufregung um das früh erkannte Genie lebhaft rüber. Die Kleinen im Publikum liessen sich gerne mit auf die Reise nehmen. Und hätten sicher nichts gegen etwas mehr Interaktion gehabt. Umso kräftiger und lustvoller nahmen sie die Gelegenheit bei "Halbzeit" wahr, als Kutschen ziehende Pferde auf den Boden stampfen zu dürfen. Sabino und Wong schnürten ein gelungenes Paket, das den Jüngsten eine schmackhafte Annäherung an diesen grossartigen Komponisten ermöglichte.

Zu wenig vertieft

Welch ungeheure Raffinesse und Durchdachtheit, welches Formbewusstsein und welche Souplesse Mozart in seine Kompositionen legte" dazu wusste Rudolf Kelterborn als gewieft-gewitzter Kommentator am abendlichen Anlass manchen anschaulichen Hinweis zu geben. Es hätte Lust gemacht, aber auch mehr Zeit als nur die halbe Stunde "Einführung" gebraucht, um bewusster Parallelen zwischen Mozarts Sonate und Kelterborns vier kurzen Stücken heraushören zu können. So musste einiges in der Luft hängen bleiben.

Raum für eigene Bilder

Dem nur spärlich erschienen Publikum blieb aber bei Kelterborns Klangbildern genügend Assoziationsraum, um die Kälte der Wintermusik zu spüren und sich von einer hohen Registerführung bewegen zu lassen, die sich der Tiefe gegenüber öffnet. Oder bewusst unscharf-"verschmierte" Tonfetzen auf sich wirken zu lassen. Der 27-jährige See Siang Wong steuerte sein akribisch-ausgeleuchtetes, genau durchdachtes und pulsierend-erfülltes Spiel bei. Wodurch selbst musikalische Erfrierungsgrade mit einer gewissen zärtlichen Note bedacht wurden. Wongs Auslegung von Mozarts gsüffiger, dicht bestückter Sonate war perlend-leichtfüssig und hochgradig rein im Klang. Und bewegend, weil emotionenreich und beseelt gespielt. Ein eindrücklicher Abschluss des 70-minütigen Anlasses.

Text: Berner Oberländer vom 29.05.2006, Svend Peternell

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