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Schlosskonzerte Spiez - Mit erfolgreichem Jubiläum

Zukunft hat schon voll begonnen

Die Schlosskonzerte Spiez haben experimentiert und zum 60-Jahr-Jubiläum mit aufmerksamem Publikum gefeiert. "Es sind viele neue Leute gekommen", konstatiert eine aufgestellte Vereinspräsidentin Marianne Vogel Kopp.

Die Schlosskonzerte Spiez bauen emsig an ihrer Zukunft. Mit gutem Grund, wie Marianne Vogel Kopp festhält. Rund 50 Leute, die zum eisernen, aber auch immer älter werdenden Kern des Abonnementspublikums gehören, mussten heuer aus der Kartei gelöscht werden" weil sie gestorben sind. Das stellt die Präsidentin der Schlosskonzerte zwar mit Bedauern, aber nüchtern fest. Und hat schon seit einiger Zeit ein paar Weichen gestellt, um auch die jüngere Generation auf die Spiezer Traditionskonzerte aufmerksam zu machen (und diese dann wieder zu registrieren). Das 60-Jahr-Jubiläum war deshalb nicht dem wehmütigen Zelebrieren von vergangenen Ereignissen und Highlights gewidmet, sondern auch ein bewusstes Bekenntnis, auf die Leute im Dorf und in der Region zuzugehen.

Clown fiel ins Wasser

Der hierfür wohl bezeichnendste Anlass, das Strassentheater des Steffisburger Clowns und Schauspielers Gerhard Tschan, fiel am 6. Mai zwar buchstäblich ins Wasser. Denn an jenem Tag hätte bei strömenden Regen niemand Lust zum Verweilen gehabt. Aber der Gang des sympathischen Frühlingsfestivals nach Hondrich in die Kaverne zum Auf-takt, um dort im Berg der UrMusik, den Klängen aus Stein, von Beat Weyeneth zu lauschen, faszinierte" und lockte viele Interessierte, auch Kinder, an. Kinder und Schüler wurden ebenfalls an den beiden Matinéen angesprochen. Auf der Suche nach zu entdeckenden Heimattönen (7. Mai) gabs dabei viel zu schmunzeln. Und die Jazz-Session (gestern) gehört an den Schlosskonzerten Spiez schon fast zum guten Ton, der die ganze Familie anspricht. Voll auf die Jungen zwischen 6 und 12 zugeschnitten war das KinderKonzert mit der originellen Feier von Mozarts 250. Geburtstag (siehe Bericht unten).

Auch junge Künstler

Jung waren auch einige der Musikerinnen und Musiker. Der Titel "Jung und leidenschaftlich" (24. Mai) spricht seit Jahren Banden und war auch diesmal mit dem Trio Pathétique ein sicherer Wert, um auch Jüngere auf Publikumsseite anzulocken. In der restlos überfüllten Schlosskirche bestritt die Spiezer Sopranistin Daniela Eaton-Freiburghaus ein "Heimspiel" (20. Mai), das sie nach einer Budgetvorgabe mit drei weiteren Interpretinnen und Interpreten selber zusammenstellen und gestalten konnte.

Nur zwei Einkäufe

Solche und andere Festivalzückerchen brauchten viel Vorbereitung, Proben und eben Zeit. Auch Organisatorin Marianne Vogel musste sich für all die Absprachen und Koordinationsaufgaben gehörig ins Zeug legen. "Eigens für uns zusammengestellte und einstudierte Programme sind eigentlich nicht bezahlbar, aber umso wertvoller. Wir haben nur gerade das Barrios Guitar Quartet vom 21. Mai und das Programm"˜Zauberflöte" Flötenzauber' vom 12. Mai fertig eingekauft", schildert Marianne Vogel den roten Faden im Jubiläumsjahr. Für den Flötenzauber mit personenstarker Besetzung griff man tiefer in die Taschen als sonst. Schliesslich galt es am Jubiläum feierliche Akzente zu setzen. Und so wurden finanziell einige Reserven angezapft, um einigermassen bestehen zu können. Konkret: Im Jubeljahr belief sich das Budget auf 63 000 Franken. In einem "normalen" Jahr kommen die Organisatorinnen mit knapp 50 000 Franken über die Runden. "Alleine die Gagen betrugen in diesem Jahr 40 800 Franken. Sonst geben wir zwischen 20 000 und 30 000 Franken aus", sagt Marianne Vogel.

"Man vertraut uns"

"Wir haben diesen Frühling rund 20 000 Franken minus budgetiert. Jetzt werden es wohl um die 10 000 sein." Nicht zuletzt auch, weil der Vorverkauf gut lief und die Karten fast ausnahmslos gut abgesetzt wurden. Dass auch die verschiedenen Experimente zogen, stimmt Marianne Vogel Kopp im Hinblick auf die Zukunft zuversichtlich. "Man vertraut uns", legt die Präsidentin der Schlosskonzerte diesen Erfolg auf Publikumsseite aus. Und dass sich die Künstlerinnen und Künstler in Spiez wohl fühlen, färbt sich auf die Qualität der Darbietungen ab. "Die Künstler werden in Spiez gut betreut. Wir wollen den Ort für sie zum Erlebnis machen."

2007 mit Elite-Chor

Was liegt nun nach diesem fetten Jahr fürs 2007 drin? "Finanziell wird es natürlich bescheidener ausfallen. Wir werden versuchen, auch mit einem kleineren Budget etwas Gutes zu machen." Konsequent ist Marianne Vogel bei der Qualität: "Musikalisch wird es keine Abstriche geben." Vorgesehen sind acht Konzerte, wovon die Schlosskonzerte nur für deren sechs zuständig sind. "Ein Konzert tragen die Thuner Schlosskonzerte im Rahmen ihres 40-Jahr-Jubiläums bei uns aus" im Sinne einer regionenverknüpfenden Verbindung. Sie bezahlen bei uns keine Miete, übernehmen aber die Gage der Kunstschaffenden." Das zweite Konzert wird von der Stiftung Bubenberg als Benefizanlass bestritten. Das Publikum darf sich im Frühjhar 2007 bereits auf das Oberwalliser Vokalensembnle freuen, das zu den Schweizer Elitechören zählt.

Hat Organisatorin Marianne Vogel Kopp nach neun Jahren immer noch gleich viel Motivation, Schnauf und Elan wie noch in den Anfängen? Die 47-jährige Präsidentin der Schlosskonzerte wirkt nicht müde. Sie hat viele Ideen auf Lager und strahlt Tatendrang aus. Dennoch sucht sie nach einer Nachfolge, weil sie findet, dass zehn Jahre genug sind. Vorläufig ist aber niemand in Sicht und so nimmt sie es, wies es kommt, schaut von Jahr zu Jahr, bestens unterstützt von den drei weiteren Schlossfrauen Gret Beusch, Marlis Spring und Gerry Freiburghaus. Die Freude von Marianne Vogel Kopp an ihrer Organisationstätigkeit hat auch mit der guten Teamatmosphäre zu tun. Weniger Freude hatte Marianne Vogel Kopp an der gestörten Plakataktion in diesem Frühjahr. Irgend jemand habe etwas gegen die Schlosskonzerte, sagt sie. Die an den Anschlagstellen der Gemeinde aufgemachten Plakate der Schlosskonzerte waren jeweils nach kurzer Zeit immer wieder abgerissen. Wer der Sünder (oder die Sünderin) ist" das konnte bis jetzt noch nicht eruiert werden.sp

Text: Berner Oberländer vom 29.05.2006, Svend Peternell

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